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 Polizeireiter · Neumühle 3 · Ostfildern

 
 

 

POLIZEIPRÄSIDIUM STUTTGART
Polizeireiter
Postfach 10 29 23 
70025 Stuttgart
                     
Telefon +49 711 45891-0
Telefax +49 711 8990-2283
E-Mail stuttgart.pp@polizei.bwl.de
                              
Öffentlicher Nahverkehr
Haltestelle
Reutlinger Straße

Zur Polizeireiterstaffel gehören 34 Beamtinnen und Beamte sowie 25 Pferde. Das Dienstgebäude mit Stallungen und Reitbahn liegt außerhalb Stuttgarts in Ostfildern.
Bei täglichen Streifen in der Stuttgarter Innenstadt und in den weitläufigen städtischen Grünanlagen sorgen die Polizisten zu Pferd für mehr Sicherheit auf Straßen und Plätzen.
Die Polizeireiter bestreifen Wald- und Feldgebiete der ganzen Gemarkung Stuttgart. Außerdem sind sie in den Bereichen Umweltschutz und Verkehr eingesetzt. Die Polizeireiter werden zu besonderen Ensätzen, Veranstaltungen und zum Objektschutz auch außerhalb der Landeshauptstadt angefordert, da der Einsatzwert einer berittenen Einheit einen anerkannt hohen Stellenwert hat.
Bei Großveranstaltungen, wie zum Beispiel bei Demonstrationen oder Fußballspielen, haben die Polizeireiter „Platzvorteil“. Die gute Übersicht von oben ermöglicht ihnen, Brennpunkte frühzeitig zu erkennen. In der Regel hat der moderne Großstadtmensch vor einem Pferd Respekt. Dies schafft oft schon die Distanz, die notwendig ist, um in Massenveranstaltungen Ordnung zu bringen.

Die Pferde
Die Pferde stammen vorwiegend aus der Warmblutzucht des Württembergischen Haupt- und Landgestüts Marbach.
Sie werden im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren direkt beim Gestüt gekauft und anschließend von den Polizisten zugeritten und für den Dienst ausgebildet. Ausgewählt werden widerstandsfähige, mutige, feinfühlige Pferde mit einem angenehmen und ruhigen Charakter – Tiere, die für den Polizeidienst besonders geeignet sind.
   
Die Ausbildung der Pferde
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit werden die Pferde behutsam angeritten. Haben sie erst einmal eine gewisse Sicherheit unter dem Sattel erreicht, beginnt neben der Dressurausbildung auch die Ausbildung im Gelände sowie die Gewöhnung an den Straßenverkehr. Ziel der Ausbildung ist nicht, sportliche Höchstleistungen zu erreichen, sondern die Pferde für die speziellen Anforderungen im Polizeialltag zu trainieren. An die Nervenstärke und den Gehorsam der Tiere werden höchste Ansprüche gestellt. Nur so können sie sich bei Streifen und Einsätzen sicher im Verkehr und in Menschenmengen bewegen.
Knallkörper, rasselnde Blechbüchsen, flatternde Fahnen, Luftballons und vieles mehr sind fester Bestandteil der Ausbildung.

Von Natur aus ist ein Pferd ein Fluchttier. Deshalb ist es schwierig, die Pferde an angsteinflößende Einflüsse zu gewöhnen.
Bei den Polizeipferden ist es besonders wichtig, dass sie trotz ihrer Reaktion beherrschbar bleiben und sich nach aufregenden Situationen schnell wieder beruhigen. All dies kann nur durch ein großes Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter erreicht werden.Die Polizeipferde stehen nach der etwa eineinhalb Jahre dauernden Grundausbildung in ständigem Training. Beweglichkeit, Kondition und Ausbildungsstand eines Pferdes werden immer wieder überprüft und verbessert.

  Wendige Pferdetransporter

Wendig, flexibel, kostengünstig und chic präsentieren sich die Pferdetransporter der Polizeireiter. Zwei baugleiche Fahrzeuge wurden im März 2009 an die Stuttgarter Reiterstaffel übergeben.
Das Spezialfahrzeug bietet Platz für zwei Pferde. Es verfügt über einen Materialraum für Sattelzeug, für eine notwendige Futter- und Wasserration sowie für die Einsatzausrüstung der Reiterinnen und Reiter. Darüber hinaus gibt es eine chemische Toilette.
Grundmodell des Spezialfahrzeugs ist das Mercedes Sprinter Fahrgestell 518 CDI, mit 180 PS starkem Motor und Automatik-Getriebe. Der Aufbau ist ein spezieller Pferdetransportaufbau, ausgeführt von einer Fahrzeugaufbaufirma in Oberhausen/NRW.
Ein technisches Highlight bei diesen Transportern ist die Einhandbedienung für die Laderampe. Sie wurde von den Technikern des Referats Technik beim Polizeipräsidium in Zusammenarbeit mit der Fahrzeugaufbaufirma entwickelt. Die polizeilich notwendige Innenausstattung, Funktechnik und Signalanlage sind in den hauseigenen Werkstätten des Polizeipräsidiums Stuttgart kostengünstig ausgeführt worden.
Die beiden identischen Kleintransporter mit Spezialaufbau sind als Ersatz für einen bereits ausgemusterten großen Pferdetransporter beschafft worden. Unter den Gesichtspunkten Flexibilität und Kostenersparnis rechnet sich die Anschaffung: denn die großen Pferdetransporter sind für bis zu sechs Pferde ausgerichtet, in der Regel sind die Streifen aber mit nur zwei Pferden im Stadtgebiet unterwegs. Die Unterhaltskosten der Kleintransporter dürften erheblich unter denen der Großfahrzeuge liegen. Und müssen doch einmal vier Pferde transportiert werden, dann kann an den Transporter noch einen Hänger für zwei weitere Pferde angekoppelt werden.
Diese kleinen Pferdetransporter sind übrigens die ersten dieser Art bei der Polizei des Landes Baden-Württemberg.

 

Ältestes Polizeipferd feiert Geburtstag

Text von einem Polizeireiter, seit 1985 bei der Stuttgarter Polizei

Im Stall der Polizeireiter hat am 8. Februar 2013 das älteste Dienstpferd seinen 28. Geburtstag im kleinen Kreis gefeiert.

Zenit lautet sein Polizeiname - der Anfangsbuchstabe Z steht dabei für sein Geburtsjahr 1985. Seinen Geburtsnamen Degenfechter bekam er auf dem Haupt- und Landgestüt Marbach.
Im Stammbaum des Württemberger Wallachs finden sich englische Vollblüter, Trakehner und der legendäre Marbacher Zuchthengst Julmond. Auf der Schwäbischen Alb ist er geboren und aufgewachsen. Am 4. Dezember 1987 wurde er für 7.000 DM an die Stuttgarter Polizei verkauft.

 

Hier bei den Polizeireitern wurde er ausgebildet und hat sich wegen seiner dominanten Art zu einem tollen Polizeipferd entwickelt. Er ist so verhaftet mit dem Polizeidienst, dass er nicht wie "normale" Polizeipferde mit spätestens Anfang 20 in den Ruhestand geschickt wurde. Ihm würde der ganze Betrieb so fehlen, dass er mit Sicherheit total unglücklich wäre. Wer sieht, wie er im Einsatz aufblüht, wie er mitmacht und mitdenkt und die Einsatzlage fast von ganz allein im Griff hat, der sieht ihm weder sein Alter an noch hat man eine Sekunde lang das Gefühl, dass es ihm zuviel wäre. Er ist ein richtiger Chef im Stall. Und wir Polizeireiter lassen ihn deshalb einfach im Dienst und reißen ihn nicht weg aus "seinem" Stall.

Das Ende seiner Polizeikarriere kann nur eine schwere Krankheit sein. Und dazu ist er noch viel zu gesund und fit. Natürlich wird er entsprechend seines Alters geschont, beim sportlichen Reiten zum Beispiel - obwohl er alles noch kann und drauf hat.

Eine Eigenart hat Zenit und das schon seit bestimmt zwanzig Jahren. Er kann nicht alleine sein. Sobald das andere Pferd, sein Streifenpartner, auch nur die Andeutung eines Richtungswechsels macht, ist er sofort dabei. Er wird deshalb gerne auch den Anfängern bei gegeben, denn die braucht man nicht einfangen wenn ihnen "der Gaul durchgeht". Er ist zudem rundum pflegeleicht. Seine derzeitige Stammreiterin Polizeihauptmeisterin Belinda Blatter hat als 33 Jahre junge Kollegin den
"Alten" seit Mitte 2009 als Partner.

Seine Einsätze lassen sich nicht aufzählen: er hat wirklich schon alles erlebt, angefangen vom normalen Fußballeinsatz über Umzugsbegleitung, Castor, Menschenmassen aller Art, friedliche
und unfriedliche Demos bis hin zu schwersten Auseinandersetzungen mit Bewurf und Brandbarrikaden.

Alles!

Zenit ist das letzte Pferd bei den Polizeireitern, das noch Kunststücke machen kann: bei den Shownummern bei den German Masters in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle legte sich Zenit auf Kommando auf den Boden, während die anderen Pferde unter einem riesigen Getöse mit Feuerwerk, Knallen und Rasseln um ihn herum galoppieren und über Feuer springen. Zenit steht seit 1987 im Dienste der Polizei und das ohne Krankheiten und Ausfälle. Seine einzige schwere Erkrankung war eine Augenentzündung im Oktober 2005. Dabei musste ihm das linke Auge zugebunden werden, es wurde eine Drainage gelegt und das Auge mehrmals am Tag gespült. Das über vier Monate hinweg. Auch später hatte er immer mal wieder als Folge entzündete Augen.

Bewundernswert, wie er damals das alles erduldet hat, obwohl es sichtlich unangenehm für ihn war.