Mannheim/Heidelberg:
Die ersten Projektsitzungen in den vergangenen zwei Wochen haben gezeigt, dass bei der Polizei in Mannheim und Heidelberg Aufbruchstimmung herrscht.
„Die Strukturreform der Polizei Baden-Württemberg ist eine große Herausforderung für uns alle, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir sie bewältigen werden. Ich bin auch überzeugt davon, dass die Polizei nach der Umsetzung wesentlich besser für die Aufgabenstellungen der Zukunft gerüstet sein wird, als dies mit der bisherigen Organisation möglich gewesen wäre“ ließ der Leitende Polizeidirektor Detlef Werner eingangs eines Pressegesprächs am 10. Mai im Polizeipräsidium Mannheim verlauten.
Werner, nominell stellvertretender Leiter der Landespolizeidirektion im Regierungspräsidium Karlsruhe, leitet das Projekt mit insgesamt sechs Teilprojektgruppen, in denen erfahrene Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte aus Mannheim und Heidelberg unter dem sperrigen Arbeitstitel „Projekt 2 - Polizeipräsidium Mannheim/Heidelberg“ in den nächsten Monaten die Konturen des dann zweitgrößten Polizeipräsidiums in Baden-Württemberg ausarbeiten werden. Er selbst hat Ende April im PP Mannheim Quartier bezogen und wird von dort aus die gesamten Planungen lenken.
Zunächst einmal steht eine umfassende und gründliche Bestandsaufnahme auf dem Programm. Was sich als die wohl ‚einfachste’ Aufgabe erweisen dürfte, denn die hierfür notwendigen Unterlagen liegen griffbereit in den Schubladen bei den Stäben in Heidelberg und Mannheim.
„Parallel dazu werden wir das Eckpunktepapier auf Spielräume hin überprüfen, wo wir unsere eigenen organisatorischen Überlegungen unterbringen können“ erläuterte Werner seine weitere Vorgehensweise.
Auf Basis dieser Unterlagen und Überlegungen werden Schritt für Schritt und ohne Hast, wie er betonte, die notwendigen Absprachen mit den übergeordneten Querschnittsprojekten getroffen, die auf Landesebene arbeiten und neben einer Koordinierungsfunktion auch auf die Einhaltung der in dem Eckpunktepapier vorgegebenen Standards achten sollen.
Fest steht bislang, dass das neue Präsidium mit seinen etwa 2700 Mitarbeitern seinen Sitz in Mannheim am traditionellen Polizei-Standort „L 6“ haben wird, neben dem Polizeipräsidenten wird sein Führungs- und Einsatzstab mit Beamten aus Heidelberg und Mannheim dort einziehen. „L 6“ wird auch die Post-Adresse der neu zu schaffenden „Direktion Polizeireviere“ sein.
Die „Kriminalpolizeidirektion“ mit ihren im ‚Endausbau’ insgesamt ungefähr 500 Beschäftigten wird ihre Zentrale im Gebäude der ‚alten’ Polizeidirektion in der Heidelberger Römerstraße haben, soviel steht ebenfalls schon fest. Wie viele Kriminalbeamte davon allerdings von Mannheim aus in einem sogenannten „Kriminalkommissariat“ arbeiten und wo genau die örtlichen Abgrenzungen zwischen beiden Sitzen gezogen werden, ist eine der Aufgaben, der sich das Teilprojekt „Kriminalitätsbekämpfung“ unter der Leitung des ehemaligen Mannheimer Kripochefs Gerhard Regele zu widmen hat.
Zwar gibt es bereits Vorüberlegungen, wo die neue „Verkehrspolizeidirektion“ angesiedelt werden könnte, die endgültige Entscheidung hat sich jedoch das Innenministerium vorbehalten. Wo genau der Standort sein wird, ist neben fachlichen Gesichtspunkten auch Frage der zur Verfügung stehenden Raumkapazitäten, wie die stellvertretende Projektleiterin Caren Denner bei dem Pressegespräch erläuterte.
Die Fülle der Fragen, die sich den einzelnen Arbeitsgruppen jetzt stellen, ist immens. Wo und wie schnell ist in „L 6“ Platz zu schaffen für den gesamten Führungs- und Einsatzstab mit dem Führungs- und Lagezentrum, das künftig alle Einsatzkräfte führen wird, die in Mannheim, Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis eine knappe Million Einwohner betreuen? Wo wird es in Heidelberg Platz geben für die Kriminalbeamten, die bislang in Mannheim Dienst versehen und künftig in eine der acht Inspektionen der neuen Kriminalpolizeidirektion nach Heidelberg übersiedeln?
Wie kann die Vorgabe „Personal folgt der Aufgabe“ sozialverträglich umgesetzt werden, ohne dass es zu nicht vertretbaren personellen Engpässen kommt? Wie geht es mit jenen Organisationseinheiten weiter, die bisher fester Bestandteil der Dienststellen waren, in der neuen Struktur jedoch bei anderen Präsidien angesiedelt sein werden – bspw. die Mannheimer Reiterstaffel und die beiden Wasserschutzpolizeistationen Mannheim und Heidelberg im ‚Polizeipräsidium Einsatz’?
„Da steckt der Teufel im Detail“ wissen Detlef Werner und sein Team nur allzu gut. „Wir haben zwar nach den ersten beiden Projektsitzungen schon einen ungefähren Überblick, wie wir vorgehen wollen, wir sind uns aber sicher, dass wir im Lauf der Zeit auf einzelne Knackpunkte stoßen werden, von denen wir derzeit noch überhaupt keine Vorstellung haben“.
Die Quadratur des Kreises wird es für die Beamten bedeuten, die sehr aufwändige Projektarbeit parallel zu ihren Aufgaben im täglichen Dienst zu bewältigen.
„Auch das wird nicht einfach“ ließ der Projektleiter zu diesem Thema verlauten, „jeder einzelne aus dem Team begleitet in seiner Dienststelle wichtige Funktionen, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Ich denke aber, dass wir diese Problematik durch eine sinnvolle Koordination und ein Vorgehen in kleinen Schritten größtenteils entschärfen können“, so Werner.
„Wir gehen mit Freude und Zuversicht an unsere Aufgaben heran“, resümierten der Leitende Polizeidirektor und seine Stellvertreterin Caren Denner unisono die ersten beiden Wochen der Projektarbeit. „Und wir sind uns sicher, dass wir sehr gute Ergebnisse erzielen werden. Was in erster Linie daran liegt, dass die Detailarbeit in den Teilprojekten von hoch motivierten Kolleginnen und Kollegen geleistet wird, die enorm viel Erfahrung und Praxiswissen einbringen.“
Projektleitung:
Leiter: Leitender Polizeidirektor Detlef Werner, stellvertretender Leiter der Abteilung 6 Landespolizeidirektion im Regierungspräsidium Karlsruhe
Stellvertreterin: Polizeipräsidentin Caren Denner, Leiterin des Polizeipräsidiums Mannheim
Projektgeschäftsstelle:
Leiter: Kriminaloberrat Ralf Würtenberger, Leiter der Kriminalinspektion 1 (Deliktspezifische Ermittlungen) beim Polizeipräsidium Mannheim
Stellvertreter: Polizeioberrat Erhard Loy, Leiter des Polizeireviers Sinsheim
Teilprojekt „Stabsstellen/Prävention“:
Leiter: Polizeioberrat Uwe Schrötel, Leiter des Polizeireviers Wiesloch
Stellvertreter: Polizeihauptkommissar Thomas Rüger, Führungs- und Einsatzstab beim Polizeipräsidium Mannheim
Teilprojekt „Stab/Lagezentrum/Technik/Organisation“:
Leiter: Polizeidirektor Manfred Beuchert, Leiter des Führungs- und Einsatzstabs beim Polizeipräsidium Mannheim
Stellvertreter: Polizeioberrat Jürgen Helfrich, Leiter des Polizeireviers Weinheim
Teilprojekt „Sicherheit und Ordnung“:
Leiter: Polizeidirektor Bernd Bühler, Leiter Zentrale Dienste bei der Polizeidirektion Heidelberg
Stellvertreter: Polizeioberrat Peter Albrecht, Leiter des Polizeireviers Mannheim-Neckarstadt
Teilprojekt „Verkehr“:
Leiter: Polizeidirektor Dieter Schäfer, Leiter Zentrale Dienste beim Polizeipräsidium Mannheim
Stellvertreter: Erster Polizeihauptkommissar Karl-Heinrich Daiber, Leiter des Autobahnpolizeireviers Walldorf
Teilprojekt „Kriminalitätsbekämpfung
Leiter: Leitender Kriminaldirektor Gerhard Regele, Leiter des Referats 65 Kriminalitätsbekämpfung beim Regierungspräsidium Karlsruhe
Stellvertreter: Kriminaldirektor Siegfried Kollmar, Leiter der Kriminalpolizei bei der Polizeidirektion Heidelberg
Teilprojekt „Recht/Personal/Finanzen“:
Leiterin: Polizeipräsidentin Caren Denner, Leiterin des Polizeipräsidiums Mannheim
Stellvertreter: für den Bereich Personal Erster Kriminalhauptkommissar Gerhard Mackert von der Polizeidirektion Heidelberg und für den Bereich Finanzen Oberamtsrat Markus Rothfuß von der Landespolizeidirektion im Regierungspräsidium Karlsruhe