Micheal Wentzel seine Erfahrungen von der Typisierung bis zur Stammzellenspende in einem Bericht zusammengefasst:
Im Frühjahr 2010 habe ich eine Email erhalten, die an alle Beamten des Landes BW ging. In dieser schilderte ein Kollege, dass ein Familienmitglied an Leukämie erkrankt sei. Er bat um Mithilfe bei der Bekämpfung der Krankheit. Hiezu verwies er auf einen Internet-link der DKMS Deutsche Knochenmark Spender Datei.
Aus Interesse sah ich mir die Seite der DKMS an. Ich informierte mich über die Krankheit, Heilungsmethoden und die Spende an sich. Ich hielt es für eine gute Tat und lies mich sofort registrieren. Ich dachte mir, wenn dadurch die Möglichkeit besteht, jemanden zu helfen und ihm das Leben zu retten, dann mach ich das. Ich hielt und halte es für selbstverständlich und möchte auch andere Menschen dazu ermutigen.
Kurze Zeit später bekam ich ein Päckchen mit zwei Wattestäbchen zur Speichelprobe und umfangreiches Infomaterial. Also an Informationen hat es mir nicht gefehlt. Mir wurde auch eine persönliche Sachbearbeiterin zugeteilt, die mir bei Fragen immer zur Seite stand. Ich schickte die Speichelprobe zur Typisierung am 07.06.2010 ab. Nach drei Monaten bekam ich einen Anruf von der DKMS. Sie teilten mir mit, dass ich evtl. als Spender infrage komme und dass ich für eine genauere Bestätigungstypisierung ein paar Blutproben abgeben sollte. Drei Wochen später erhielt ich erneut einen Anruf von der DKMS. Ich stand auf meinem Balkon und die Frau am anderen Ende der Leitung sagte zu mir: „Herr Wentzel, sie sind es!“ Ich war sprachlos, glücklich und konnte es kaum fassen. Ein unbeschreibliches Gefühl.
Nach kurzer Pause erklärte sie mir noch mal das genaue Verfahren der Spende. Ich war sehr aufgeregt und konnte es kaum erwarten. Freunde und Verwandte sprachen mir ihre Bewunderung aus und meinten, dass sie sehr stolz auf mich wären.
Am 18.10. fand die Voruntersuchung in Freiburg statt. Da ich für körperlich fit und gesund befunden wurde, konnte ich am 09.11.2010, 7.00 Uhr, in den OP-Saal geschoben werden. Dort wurde mir, von zwei Chirurgen zeitgleich aus jedem Beckenkamm, insgesamt 1,5 Liter Knochenmarkblut entnommen. Dieses ist mit Stammzellen angereichert, welches der Empfänger dringend benötigt. Die Operation wurde unter Vollnarkose durchgeführt. Als ich wieder zu mir kam, war ich fast schmerzfrei. Ich hab mir das vom Schmerzempfinden viel schlimmer vorgestellt. Aber ich fühlte mich sehr schlapp und schwach. Ich dachte ich bin um 50 Jahre gealtert. Am nächsten Tag wurde ich aus dem Krankenhaus, wo man sich rührend um mich gekümmert hat, entlassen. Nach einer Woche konnte ich wieder am aktiven Polizeidienst teilnehmen. Abermals wurde mir Respekt ausgesprochen und sie meinten, ich sei ein Lebensretter. In diesem Moment wurde mir erst richtig klar, dass sie Recht hatten. Ich fühlte mich überglücklich und sehne nun dem Moment entgegen wo ich endlich den Menschen kennen lernen kann der mein Knochenmark bekommen hatte.
Es steht mir seit der Spende frei, einen anonymen Brief zu schreiben, was ich auch demnächst machen werde. Dies geschieht über die DKMS. Zwei Jahre nach der Spende dürfen die Daten des Spenders und des Empfängers ausgetauscht werden. Die Datenschutzbestimmungen von Deutschland und dem Land des Empfängers erlauben einen persönlichen Kontakt nicht früher.
Ich bin jedenfalls sehr aufgeregt und freue mich schon sehr auf die Begegnung mit dem Empfänger. Jedes mal, wenn ich über diese Sache nachdenke, rührt es mich sehr und ich bin mir sicher, dass ich das Richtige gemacht habe.
Vor kurzen rief mich wieder die DKMS an und gab mir ein paar Informationen über den Empfänger. Er ist männlich, 30 Jahre alt und wohnt in den USA. Er litt an einer aggressiven Form der Leukämie. Sie nennt sich Akute Lymphatische Leukämie.
Mein Fazit: Ich würde es jederzeit wieder tun und bitte alle anderen meinem Bespiel zu folgen.